CDU Gemeindeverband Bovenden

Antrag an den Ortsrat in Auseinandersetzung mit der historischen Vergangenheit des Namensgebers der Heinrich-Sohnrey-Straße im Ortsteil Bovenden

namens sowohl der Gruppe im Bovender Ortsrat als auch der SPD-Ortsratsfraktion stelle ich zur nächsten Sitzung am 19. Juni 2014 einen Antrag:
Der Ortsrat beschließt, die Straßenschilder der Heinrich-Sohnrey-Straße in Bovenden mit einem erklärenden Zusatzschild zu versehen, dessen Größe mit der unteren Verkehrsbehörde abzustimmen ist und folgenden Text dokumentieren soll: „Heinrich Sohnrey (1859-1948), in Jühnde geborener Schriftsteller und konservativer Sozialreformer, erwarb sich Verdienste um die Verbesserung der Lebensverhältnisse auf dem Land und die Pflege ländlichen Brauchtums. Seine fremdenfeindlichen und rassistischen Überzeugungen, von denen er auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht abrückte, ließen ihn jedoch auch zum Unterstützer des nationalsozialistischen Regimes werden. Eine Gesamtbewertung muss deshalb zwiespältig ausfallen.“

Begründung:

In den zurückliegenden Jahren wurde sich vielerorts kritisch mit der Vergangenheit Heinrich Sohnreys als Namensgeber von Schulen und Straßen ausei-nandergesetzt. Die Dransfelder Ralschule verlor durch Beschluss des Göttinger Kreistages ihren langjährigen Namensgeber.

Herr Prof. Dr. Dirk Schumann vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Georg-August-Universität Göttingen hat seiner Hochschule im August 2013 in einer gutachterlichen Stellungnahme empfohlen, sich von ihrem 1934 ernannten Ehren-bürger zu distanzieren. Demnach war Heinrich Sohnrey (1859-1948) „kein National-sozialist im engeren Sinn und hat sich unbestreitbare Verdienste um die Verbesse-rung der sozialen Verhältnisse auf dem Land und die Pflege ländlichen Brauchtums erworben. Dem steht jedoch eine fremdenfeindliche und rassistische Tendenz in seinem Werk gegenüber“, die Heinrich Sohnrey als Namensgeber von öffentlichen Institutionen, zumal von Schulen und Betreuungseinrichtungen, untragbar sein lässt.

Nach kritischer Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen der gutachterlichen Stellungnahme haben sich die Ortsratsfraktionen auf einen Vorschlag verständigt, der ihnen von Professor Schumann vorgelegt wurde und einen Kompromiss zwischen den jeweils mit guten Gründen vertretbaren Extrempositionen einer Umbenennung bzw. des folgenlosen Status Quo darstellt.

Dass sich der in der Region beheimatete Heinrich Sohnrey gewisse und bleibende Verdienste erworben hat, ist im Ergebnis nicht bestreitbar, und deshalb ist die Debatte nicht einfach. Diese Verdienste, die unter anderem aus der langjährigen Tätigkeit als Geschäftsführer des „Deutschen Vereins für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege“ resultieren, sind zum Teil historischer Natur und zum Teil noch heute wirkend, wenn man an Sohnreys Brauchtumssammlung denkt, in die freilich aber auch seine problematischen Überzeugungen einfließen, wenn auch nicht durchgängig. Mit einfachen Schwarz-Weiß-Schemata kommt man hier - wie überhaupt in der Diskussion über die NS-Vergangenheit - nicht weiter.

Mit der Formulierung des Textes eines Zusatzschildes beabsichtigen wir einen blei-benden Diskussionsanstoß, der gerne auch in einer Diskussions- und Informationsveranstaltung unter Moderation des Ortsheimatpflegers aufgegriffen werden könnte.

Eine weitere Begründung erfolgt ggf. mündlich. Zur Vorbereitung der Beratungen bitten wir, den Ortsratsmitgliedern auf elektronischem Weg die gutachterliche Stellungnahme Professor Schumanns zur 1934 verliehenen Ehrenbürgerwürde der Georg-August-Universität (verlinkt auf http://www.uni-goettingen.de/de/110554.html) zur Verfügung zu stellen.

Mit freundlichen Grüßen und für die Antragsteller

Harm Adam